30.06./01.07.2016 | Kolloquium

Am 30. Juni und 1. Juli fanden in Münster Veranstaltungen zum Thema Stationen auf dem Weg niederländischer Bücher zum ausländischen Lesepublikum (Het parcours van Nederlands boek tot buitenlandse lezer) statt.

Die Veranstaltung begann im Schloss mit einer Begrüßung der Organisatorin, Prof. Dr. Lut Missinne vom Institut für Niederländische Philologie. Da in diesem Jahr Flandern und die Niederlande Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse sind, bezog sie sich in ihrem Vortrag auf Zahlen und Fakten der niederländischen Literatur in Deutschland. Es folgten vier aufschlussreiche Lesungen zur niederländischen Literatur. Heinz Eickmans hielt einen Vortrag zum Thema Andere Länder, andere Titel. Deutsche Übersetzungen niederländischer Buchtitel und Buchumschläge. Er ging auf verschiedene Titel- und Umschlagfunktionen ein, wobei deutlich wurde, dass es kulturspezifische Konventionen gibt und dass die Ansätze für Studien zu Buchumschlägen meist einzelwerkorientiert sind. Jaap Grave gab dem Publikum in seinem Vortrag Gutachten in der DDR – Niederländische Literatur einmal anders gelesen anhand von drei Beispielen einen Einblick in verschiedene Gutachten in der DDR. Wilken Engelbrecht ging in seinem Vortrag über Deutschland als Mittler für die niederländische Literatur in Mitteleuropa vor allem ein auf Übersetzungen ins Tschechische und Polnische und gab einen zeitlichen Überblick vom 1. Weltkrieg bis nach der Wende, und betonte auch noch einmal die Wichtigkeit der Buchmessen. Der letzte Vortrag wurde von Pawel Zajas zum Thema Der Autor als Freund und Marke. Cees Nooteboom im Netzwerk des Suhrkamp Verlags gehalten. Wie im Titel bereits erwähnt, ging er darin ausführlich auf die Geschichte Nootebooms im Suhrkamp Verlag ein, u. a. auf verschiedene Lektoren und auf den regen Briefwechsel des Verlags mit Nooteboom.

Am Abend fand schließlich noch ein Auteursavond met vertaaldiscussie im Haus der Niederlande statt. Tommy Wieringa, Autor von Dit zijn de namen & Honorair Kozak, war dort anwesend, ebenso die Übersetzer Christiane Kuby (NL-D), Philippe Noble (NL-FR) und Paul Vincent (NL-E). Anhand eines Kapitels aus dem Buch Honorair Kozak wurden verschiedenste Probleme beim Übersetzen aus dem Niederländischen in eine andere Sprache diskutiert. Auch das Publikum beteiligte sich rege an der Diskussion. So wurden nicht nur dem Autor Fragen gestellt wie Wie beginnt man ein Buch?, sondern auch die Übersetzer wurden mit Fragen konfrontiert: Wie geht man mit Sätzen um, die in einer Fremdsprache geschrieben sind? Wie geht man mit schwierigen Überschriften um? Nimmt man beim Übersetzen Kontakt mit dem Autor auf? Da es auch verschiedene nationale Traditionen gibt, lauteten die Antworten oftmals auch verschieden.

Abschließend gab es am Freitagvormittag noch einen Platformdag mit kurzen Lesungen und jeweils anschließender Diskussion. Zahroh Nuriah ging in ihrem Vortrag über Vertalen als interculturele communicatie: omgaan met cultuurbotsingen auf Übersetzungen in eine völlig andere Kultur ein, in ihrem Fall die indonesische. Jane Fenoulhet schloss noch einmal an den Vortag an, indem sie sich in ihrem Vortrag Succes zichtbaar maken: een publicatiegeschiedenis van het Engelstalige oeuvre van Cees Nooteboom noch einmal auf Nooteboom bezog und in diesem Zusammenhang u. a. auch auf born-translated literature, also Literatur, die quasi für das Übersetzen gemacht ist. Philippe Noble, der auch am Vorabend bei der Diskussion anwesend war, hielt einen Vortrag über Het traject van het Nederlandstalige boek in Franse vertaling. Een verhaal uit de praktijk: de reeks ‘Lettres Néerlandaises’ bij uitgeverij Actes Sud. Er ging darin auf seine eigene Arbeit als directeur de collection ein und gab somit sehr persönliche Eindrücke in die Verlagsarbeit. Nach einer kurzen Pause ging es weiter mit dem Vortrag von Elies Smeyers, die über die Circulatie van Hugo Claus via de Franse vertalingen van zijn werk berichtete, erzählte von der Übersetzung von Claus’ Werk ins Französische und vor allem von der Rezeption seiner Theaterstücke. Irina Michajlova ging auf Übersetzungen ins Russische ein (Tussen Nederlandse tekst en Russische lezer). Hier ging es vor allem um Ausgangs- und Zielkultur und die Reaktion russischer Verleger und Leser auf Textpassagen. Dabei wurde deutlich, dass die Rezeption einiger Textpassagen völlig anders war als in den Niederlanden. Im letzten Vortrag berichtete Ton van Kalmthout über das Projekt Eastbound. In seinem Vortrag Onderzoek naar de oostwaardse verspreiding van Nederlandstalige literatuur erklärte er einige Details dieses Projekts.

Abschließend verabschiedete Prof. Dr. Missinne die Teilnehmer und konnte zusammenfassend festhalten, dass das Kolloquium sehr aufschlussreich war. Aufgrund des internationalen Publikums wurden viele Facetten beleuchtet und die Rezeption der niederländischen Literatur in verschiedenen Sprachgebieten dargestellt. Festgehalten werden konnte ebenfalls, dass die Fragestellungen oftmals sehr komplex sind, und dass es schwierig ist, Quellen zu finden. Durch die große Bandbreite des Kolloquiums jedoch konnten in persönlichen Gesprächen oder in den Diskussionen auch persönliche Erfahrungen ausgetauscht und einige offene Fragen geklärt werden.

Kathrin Lange

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