Poesie übersetzen: Workshop mit Frank Keizer

Dass im universitären Kontext Poesie übersetzt wird, kommt leider selten vor. Als Frank Keizer vorschlug, am 18.01.2018 vor seiner Abendlesung im Haus der Niederlande einen Übersetzungsworkshop anzubieten, tat sich eine schöne Gelegenheit auf, den Studierenden einen Einblick ins Übersetzen von Poesie zu bieten und mit dem Autor selbst als Mitmoderator zu arbeiten. Der Workshop wurde durch einen Zuschuss des ELV (Expertisecentrum Literair Vertalen) möglich gemacht. Zu zehnt diskutierten die Anwesenden über ihre zuvor angefertigten Übersetzungen aus Keizers Gedichtband Onder normale omstandigheden (Polis, 2016).
Eine der Teilnehmerinnen war Hannah Ratuschny, die momentan noch im Bachelor studiert. Sie berichtet für DNLit über den Workshop.

Sprachen sind meine Leidenschaft. Bereits an meinem Studiengang (Niederlandistik, Anglistik und Spanisch) lässt sich erkennen, dass hier wirklich mein großes Interesse liegt. Den Weg der Übersetzung einzuschlagen, ist mir bisher allerdings nie in den Sinn gekommen. Eigentlich sehr kurios, denn ich beschäftige mich gerne mit Sprache, denke gerne über Sprache nach, spreche mehrere Sprachen und nicht zuletzt ist es komisch, da meine Mutter genau diesen Weg gegangen ist; sie ist gelernte Übersetzerin.

Als ich nun eine Einladung bekommen habe, um an einem Übersetzungsworkshop im Haus der Niederlande teilzunehmen, war ich eigentlich direkt Feuer und Flamme. Besonders spannend fand ich dabei, dass der Workshop geleitet werden sollte von zwei Übersetzerinnen des niederländischen Instituts in Zusammenarbeit mit dem Verfasser der Texte persönlich, dem niederländischen Dichter Frank Keizer. Ich bekam im Vorfeld zwei seiner Gedichte zugeschickt und wurde gebeten, diese bereits vor Beginn des Workshops zu übersetzen.

Während des Übersetzens merkte ich erstens, dass es mir großen Spaß machte und zweitens, dass es eine größere Herausforderung war, als ich dachte. Ich stellte fest, dass es oft gar keine exakte Übersetzung mit der gleichen Konnotation gibt, weshalb automatisch ein bisschen Inhalt verloren geht. Die größte Schwierigkeit bestand für mich allerdings darin, den Inhalt korrekt wiederzugeben, ohne dabei das Metrum des Gedichts zu zerstören. Ich musste viele Kompromisse eingehen, um weder den Inhalt noch das Metrum zu kurz kommen zu lassen, bis ich zufrieden – nun ja, zufrieden genug – mit meinen Versionen war.

Der Workshop am 18.01. startete anders als geplant. Der Sturm machte an diesem Tag einigen Menschen einen Strich durch die Rechnung und so verzögerte sich leider auch die Ankunft von Frank Keizer. Flexibel wie wir Studenten sind, machte das aber gar nichts; wir fingen einfach schon mal an. Nachdem Frank Keizer und seine Werke von einer der beiden Übersetzerinnen kurz vorgestellt wurden, nahmen wir uns die beiden Gedichte vor und begannen, sie Vers für Vers zu übersetzen und abzugleichen. Es stellte sich heraus, dass die Stellen, die ich problematisch fand, auch von den Anderen als schwierig empfunden wurden.  Besonders interessant fand ich deshalb, zu sehen, wie die Anderen diese Probleme gelöst haben, zumal ich mich schließlich auch als Laie unter den Geübten befand.

Gerade Gedichte sind sehr subjektiv und lassen viel Raum für Interpretation. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass nicht für jede schwierige Stelle eine Lösung mit einvernehmlichem Zuspruch gefunden werden konnte. Ein bisschen Interpretationsfreiheit ist aber durchaus erlaubt, so viel habe ich gelernt und so hatte am Ende jeder eine leicht abweichende Version. Dringende Fragen schrieben wir auf, um sie Frank vorlegen zu können.

Frank kam kurz vor Schluss an und so kamen wir noch in den Genuss, die Gedichte einmal von ihm vorgetragen zu bekommen. Er gab uns außerdem Einblick in seine Interpretation, wodurch für mich Einiges noch klarer wurde. Es blieb leider nicht mehr so viel Zeit, seine Meinung zu allen Stichpunkten zu hören, aber ich denke, dass auch so sehr gute Übersetzungen zustande gekommen sind, die dann am Abend bei der Lesung von Frank Keizer auch vorgetragen wurden.

Ich hatte eine Menge Spaß und habe Sprachen nochmal aus einem anderen, interessanten Blickwinkel betrachten können. Gerne besuche ich auch künftig wieder ähnliche Veranstaltungen; wenn auch nicht als professionelle Übersetzerin, aber das macht ja nichts, denn auch als Laie wird man sehr herzlich aufgenommen.

Hannah Ratuschny

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