Songs, Grooves & Gedachte, 12. Oktober 2016

Unter dem Motto „Songs, Grooves & Gedachte“ fanden sich sechs Künstler aus den Niederlanden und Flandern im Rahmen der Halbtotale 2016 und des Reset Festivals im Pumpenhaus in Münster zusammen. Im stimmungsvollen Theatersaal lagen schon vor Beginn verschiedene Instrumente auf den schwarz gestrichenen Dielen bereit, und machten das wartende Publikum neugierig.

Nach einer kurzen Einführung begaben sich der Musiker Jan Klug (aus Deutschland, lebt aber in den Niederlanden) und Broeder Dielemann (Flandern) an ihre Instrumente, während Klaske Oenema (Niederlande) sich hinter einen Tageslichtprojektor setzte. Jan Klug spielte verschiedenste, exotische Instrumente, wie beispielsweise das Pataphon und das Theremin, welche für ungewohnte, atmosphärische Klänge sorgten, während Broeder Dielemann hauptsächlich die Gitarre, Schellen und Klanghölzer bediente. Langsam bäumte sich ein immer intensiver werdender Sound im klangvollen Theatersaal auf, zu denen Klaske Oenema abstrakte Bilder auf dem Tageslichtprojektor entstehen ließ, die an die Wand projiziert wurden. Schließlich trat der Dichter Frank Keizer (Amsterdam) auf die Bühne, und las eines seiner Gedichte vor, während die Übersetzung im Hintergrund auf einer Leinwand mitlief. Das Ganze, diese wabernde Musik und der ernste, durchdringende Vortrag, waren ein eindrucksvoller Einstieg in einen eindrucksvollen Abend.

Nun wechselten sich die Künstler ab, nach Frank Keizer, dessen Gedichte sich zwischen Persönlichem und Abstraktem bewegen und oftmals Gesellschaftskritik beinhalten, folgte Els Moors (Flandern), die ganz ruhig und lächelnd ihre besonderen, zum Nachdenken anregenden Gedichte vortrug. Barfuß und stimmgewaltig nahm schließlich der niederländische Lyriker Tsead Bruinja (Friesland) die Bühne ein, um seine Gedichte, teils begleitet von düsterer Musik, intensiv vorzutragen. Zwischen den Dichtern sang Broeder Dielemann seine naturverbundenen, poetischen Lieder in bunten Socken, und auch Klaske Oenema überzeugte immer wieder nicht nur mit ihren untermalenden Projektionen, sondern auch mit ihrer klaren Stimme, wenn sie ihre eigenen Lieder vortrug.

Die sechs ausgewählten Künstler gaben 90  Minuten lang ein unheimlich abwechslungsreiches, und doch so stimmungsvolles Programm zum Besten, bei dem ich als Zuschauerin kaum wusste, wo ich hinschauen und hinhören sollte. Da waren die Projektionen, die Instrumente, die Dichter, die Gedichte und ihre Übersetzungen, eine positive Reizüberflutung und der Wille, alles gleichzeitig möglichst intensiv aufzusaugen. Dieser Abend hat Lust auf mehr gemacht, Lust auf die niederländische Sprache, ihre verschiedenen Klänge und vor allem Lust auf die niederländischsprachige Poesie.

Lisa Mensing

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